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AMD: Eine groß angelegte Studie untersucht eine unerwartete Rolle von Melatonin

2026-10-14

Melatonin, das vor allem für seine Rolle im Schlaf-Wach-Rhythmus bekannt ist, könnte auch das Sehvermögen beeinflussen. Eine groß angelegte Studie anhand von Krankenakten hat kürzlich einen unerwarteten Zusammenhang zwischen der regelmäßigen Einnahme von Melatonin und der Entstehung von AMD aufgezeigt.

📌︎ Das Wichtigste auf einen Blick
  • ✓Eine groß angelegte US-amerikanische Studie untersuchte anhand von mehr als 180.000 Krankenakten den Zusammenhang zwischen Melatonin und der altersbedingten Makuladegeneration (AMD).
  • ✓Die regelmäßige Einnahme von Melatonin war mit einem geringeren Risiko verbunden, an AMD zu erkranken.
  • ✓Bei Personen, die bereits an einer trockenen AMD litten, war die Einnahme zudem mit einem geringeren Risiko verbunden, dass sich die Erkrankung zu einer exsudativen AMD weiterentwickelte.
  • ✓Diese Beobachtungsstudie liefert vielversprechende wissenschaftliche Hinweise, lässt jedoch keinen Rückschluss auf einen kausalen Zusammenhang zu.
  • ✓Melatonin ersetzt weder die augenärztliche Nachsorge noch die verschriebenen Behandlungen, stellt jedoch einen interessanten Forschungsansatz im Hinblick auf die Alterung der Netzhaut dar.

Könnte Melatonin positive Auswirkungen auf die AMD haben?

Was ist AMD?

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine chronische Erkrankung der Netzhaut, die insbesondere die Makula betrifft, einen Bereich, der für das zentrale Sehen und die Wahrnehmung von Details unerlässlich ist (1).

Man unterscheidet zwei Hauptformen der AMD:

  • die nicht-exsudative AMD, auch als trockene AMD bezeichnet, die die häufigste Form darstellt. Sie ist durch eine langsame und fortschreitende Schädigung der Zellen der Makula gekennzeichnet;
  • die exsudative AMD, auch feuchte AMD genannt, die durch die Bildung abnormaler Neovaskularisationen unter der Netzhaut gekennzeichnet ist, die zu einer schnelleren Verschlechterung des zentralen Sehvermögens führen können (2).

Nicht jede trockene AMD entwickelt sich zu einer exsudativen Form. Die Diagnose, Nachsorge und Behandlung dieser Erkrankung obliegen ausschließlich dem Augenarzt.

Warum sollte man ein Schlafhormon im Zusammenhang mit der Augenalterung untersuchen?

Melatonin ist ein Hormon, das von der Zirbeldrüse als Reaktion auf Dunkelheit auf natürliche Weise produziert wird. Seine Hauptfunktion besteht darin, die zirkadianen Rhythmen zu synchronisieren und das Einschlafen zu erleichtern (3).

Über den Schlaf hinaus ist dieses Molekül auch in verschiedenen Geweben vorhanden, darunter in der Netzhaut (4). Seit mehreren Jahren interessieren sich Forscher daher für seine mögliche Rolle bei der Augenalterung und der Gesundheit der Makula.

Zu den in Betracht gezogenen Mechanismen gehören insbesondere:

  • ein Beitrag zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress (5);
  • eine Modulation bestimmter Entzündungsprozesse;
  • eine Unterstützung der mitochondrialen Funktion der Netzhautzellen, die besonders energieintensiv sind (6);
  • eine Beteiligung an der Regulierung der zirkadianen Rhythmen, die auch die Physiologie der Netzhaut beeinflussen;
  • ein möglicher Einfluss auf die Bildung neuer Blutgefäße (7).

Diese verschiedenen biologischen Hypothesen, die das wachsende Interesse der wissenschaftlichen Gemeinschaft an den möglichen Vorteilen für die Augen rechtfertigen, wurden in der hier vorgestellten Studie nicht direkt untersucht. Diese beschränkte sich darauf, die beobachteten Zusammenhänge zwischen der Einnahme von Melatonin und dem Verlauf der AMD zu analysieren.

Es sei darauf hingewiesen, dass Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich ist.

-Melatonin 1 mg liefert 1 mg Melatonin pro Tablette und trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen.

Melatonin und altersbedingte Makuladegeneration: Was sagt die Studie aus?

Eine Analyse von mehr als 187.000 Krankenakten

Um den Zusammenhang zwischen Melatonin und AMD zu untersuchen, führten Forscher eine retrospektive Studie durch, die in JAMA Ophthalmology (8) veröffentlicht wurde. Dabei stützten sie sich auf die US-amerikanische Datenbank TriNetX, die anonymisierte elektronische Krankenakten aus stationären und ambulanten Gesundheitseinrichtungen in den Vereinigten Staaten für den Zeitraum vom 4. Dezember 2023 bis zum 19. März 2024 umfasst.

Es wurden zwei unterschiedliche Populationen untersucht:

  • 121.523 Personen im Alter von 50 Jahren oder älter, bei denen zu Beginn der Studie keine bekannte AMD vorlag;
  • 66.253 Personen, die bereits an einer trockenen AMD litten, jedoch keine Anzeichen einer exsudativen AMD aufwiesen.

In jeder dieser Gruppen verglichen die Forscher Personen, die regelmäßig Melatonin einnahmen, mit Kontrollpersonen, die nach zahlreichen Kriterien (Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Begleiterkrankungen, Behandlungen usw.) abgeglichen wurden, um Verzerrungsfaktoren möglichst gering zu halten.

Ein potenziell geringeres Risiko für Makuladegeneration

Die Ergebnisse zeigen zwei bemerkenswerte Zusammenhänge:

  • Bei Personen, die zu Beginn keine AMD hatten, wiesen regelmäßige Melatonin-Anwender ein um 58 % geringeres relatives Risiko für eine AMD-Diagnose auf als die Kontrollgruppe;
  • Bei den Teilnehmern, die bereits an einer trockenen AMD litten, war die Einnahme von Melatonin mit einem um 56 % geringeren relativen Risiko für ein Fortschreiten zu einer exsudativen AMD verbunden.

Vergleichbare Ergebnisse wurden bei den Untergruppen der über 60-Jährigen sowie der über 70-Jährigen berichtet.

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass es sich hierbei um statistische Zusammenhänge zwischen zwei Gruppen handelt. Diese Ergebnisse belegen daher nicht, dass Melatonin das absolute Risiko für die Entwicklung einer AMD verringert oder deren Fortschreiten verlangsamt.

121.523 Personen ohne AMD zu Beginn der Studie
66.253 Personen mit trockener AMD
−58 % relatives Risiko für eine AMD-Diagnose
RR = 0,42; 95 %-KI: 0,28–0,62
−56 % relatives Risiko für das Fortschreiten zu einer exsudativen AMD
RR = 0,44; 95 %-KI: 0,34–0,56

Ergebnisse einer retrospektiven Studie auf der Grundlage elektronischer Krankenakten aus den USA. Die Werte entsprechen relativen Risiken und belegen keinen Kausalzusammenhang.

Warum ist diese Studie wichtig?

Die Besonderheit dieser Studie liegt vor allem darin, dass sie Melatonin zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten im natürlichen Verlauf der AMD untersucht: vor dem Ausbruch der Erkrankung und nach der Diagnose einer trockenen AMD, um das Risiko eines Fortschreitens zu einer exsudativen Form zu bewerten.

Sie zeichnet sich zudem durch die beträchtliche Größe der untersuchten Populationen aus – es wurden fast 188.000 Krankenakten analysiert – sowie durch die Übereinstimmung der beobachteten Ergebnisse in mehreren Altersgruppen. Diese Faktoren untermauern die Glaubwürdigkeit des beobachteten statistischen Signals.

Dennoch müssen einige wichtige Einschränkungen hervorgehoben werden. Es handelt sich um eine retrospektive Beobachtungsstudie und nicht um eine randomisierte klinische Studie. Die Dosierungen, die Anwendungsdauer und die Melatonin-Formulierungen waren nicht standardisiert. Zudem könnten bestimmte Störfaktoren (wie Schlafqualität, Tabakkonsum, Ernährung oder Lebensweise) die Ergebnisse trotz statistischer Anpassungen verzerrt haben.

Melatonin erscheint daher derzeit als vielversprechender Forschungsansatz im Zusammenhang mit der Alterung der Netzhaut. Es sind jedoch weitere klinische Studien erforderlich, um einen möglichen Kausalzusammenhang nachzuweisen.

Melatonin und Netzhaut: Was ist in der Praxis zu beachten?

Auch wenn diese groß angelegte Studie ermutigende Ergebnisse liefert, lässt sie es derzeit noch nicht zu, Melatonin zur Vorbeugung oder Behandlung der AMD zu empfehlen. Sie liefert jedoch ein wissenschaftlich ausreichend fundiertes Signal, um die Durchführung klinischer Studien zu rechtfertigen, die sich speziell mit der Makulaalterung befassen.

Die wichtigste anerkannte Wirkung von Melatonin betrifft bislang den Schlaf. Es ist bereits anerkannt, dass es dazu beiträgt, die Einschlafzeit zu verkürzen und die subjektiven Symptome des Jetlags zu lindern (9–10).

-Enthalten in Melatonin 1 mg, einer schnell wirkenden Melatonin-Tablette zum Einnehmen (30 bis 60 Minuten nach der Einnahme).

Welche Nahrungsergänzungsmittel helfen, die Netzhautfunktion zu erhalten?

Melatonin ist nicht die einzige Substanz, die im Zusammenhang mit der Alterung des Auges untersucht wird. Auch verschiedene Nährstoffe und Antioxidantien stehen im Fokus der Forscher, die sich mit der Gesundheit der Netzhaut und der Makula befassen.

DHA, ein wichtiger Bestandteil der Netzhaut

DHA (Docosahexaensäure) ist eine Omega-3-Fettsäure, die besonders reichlich in den Membranen der Photorezeptoren der Netzhaut vorkommt (11). Sie trägt zur Erhaltung einer normalen Sehkraft bei. Zwar sind fettreiche Fische (Lachs, Makrele, Sardine, usw.) die wichtigsten Nahrungsquellen, doch ist es möglich, die Zufuhr durch Nahrungsergänzungsmittel wirksam zu steigern.

-Super DHA liefert 310 mg DHA pro Softgel.

Lutein und Zeaxanthin, die Makulapigmente

Lutein und Zeaxanthin sind zwei Carotinoid-Pigmente, die von Natur aus in der Makula konzentriert vorkommen, wo sie als Schutzschild gegen oxidative Schäden dienen sollen (12). Da sie vom Körper nicht selbst gebildet werden können, müssen sie unbedingt über die Nahrung aufgenommen werden. Sie sind beispielsweise in grünem Blattgemüse und Eigelb enthalten, aber auch in bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln.

-Lutein liefert 20 mg natürliches Lutein, das aus der Tagetes-Blüte gewonnen wird.

Safran – ein vielversprechender Ansatz

Auch Safran (Crocus sativus) stößt in der Forschung zur Augengesundheit auf wachsendes Interesse. Studien deuten darauf hin, dass seine Carotinoide, darunter Crocin, die antioxidativen Abwehrkräfte der Netzhaut-Photorezeptoren unterstützen könnten (13).

-Affron Eye® ist ein Extrakt aus Safranfäden, standardisiert auf 3 % Crocin.

Synergistische Formeln für die Sehkraft

Bestimmte Formulierungen verfolgen einen ganzheitlicheren Ansatz, indem sie mehrere Inhaltsstoffe kombinieren, deren Wirkung auf die Augenfunktion untersucht wurde.

-OmegaVision Pro kombiniert beispielsweise DHA, Lutein, Zeaxanthin, Zink sowie die Vitamine A, B2 und E.

-OptiVision® ist reich an antioxidativen Heidelbeeren, die die Augengesundheit unterstützen, und enthält zudem Carotinoide, Zink sowie verschiedene körpereigene Verbindungen und natürliche Extrakte.

Wichtig: Nahrungsergänzungsmittel ersetzen weder Vorsorgeuntersuchungen noch die ärztliche Betreuung noch die bei AMD verschriebenen Behandlungen. Ein plötzlicher Verlust des zentralen Sehvermögens, eine Verzerrung gerader Linien oder jede andere plötzliche Veränderung des Sehvermögens erfordert eine umgehende augenärztliche Untersuchung.

TIPP VON SUPERSMART

Quellenangaben

  1. Ruia S, Kaufman EJ. Macular Degeneration. [Updated 2023 Jul 31]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2026 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK560778/
  2. Hobbs SD, Tripathy K, Pierce K. Wet Age-Related Macular Degeneration (AMD) [Updated 2024 Aug 11]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2026 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK572147/
  3. Savage RA, Zafar N, Yohannan S, et al. Melatonin. [Updated 2024 Feb 9]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2026 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK534823/
  4. Blasiak J, Reiter RJ, Kaarniranta K. Melatonin in Retinal Physiology and Pathology: The Case of Age-Related Macular Degeneration. Oxid Med Cell Longev. 2016;2016:6819736. doi: 10.1155/2016/6819736. Epub 2016 Sep 5. PMID: 27688828; PMCID: PMC5027321.
  5. Sun J, Liu Y, Chen Z. Melatonin and retinal cell damage: molecular and biological functions. Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol. 2025 Apr;398(4):3199-3212. doi: 10.1007/s00210-024-03575-w. Epub 2024 Nov 9. PMID: 39520554.
  6. Wu P, Zhao L, Du Y, Lu J, He Y, Shu Q, Peng H, Wang X. Melatonin protects retinal pigment epithelium cells against ferroptosis in AMD via the PI3K/AKT/MDM2/P53 pathway. Front Pharmacol. 2025 Feb 27;16:1543575. doi: 10.3389/fphar.2025.1543575. PMID: 40083383; PMCID: PMC11903707.
  7. Ozdemir G, Ergün Y, Bakariş S, Kılınç M, Durdu H, Ganiyusufoğlu E. Melatonin prevents retinal oxidative stress and vascular changes in diabetic rats. Eye (Lond). 2014 Aug;28(8):1020-7. doi: 10.1038/eye.2014.127. Epub 2014 Jun 13. PMID: 24924441; PMCID: PMC4135253.
  8. Jeong H, Shaia JK, Markle JC, Talcott KE, Singh RP. Melatonin and Risk of Age-Related Macular Degeneration. JAMA Ophthalmol.2024;142(7):648–654. doi:10.1001/jamaophthalmol.2024.1822
  9. Melatonin is effective for some sleep disorders. 2005 Jun 25;330(7506):0. PMCID: PMC558438.
  10. Herxheimer A, Petrie KJ. Melatonin for preventing and treating jet lag. Cochrane Database Syst Rev. 2001;2002(1):CD001520. doi: 10.1002/14651858.CD001520. Update in: Cochrane Database Syst Rev. 2002;(2):CD001520. doi: 10.1002/14651858.CD001520. PMID: 11279722; PMCID: PMC8958662.
  11. Shindou H, Koso H, Sasaki J, Nakanishi H, Sagara H, Nakagawa KM, Takahashi Y, Hishikawa D, Iizuka-Hishikawa Y, Tokumasu F, Noguchi H, Watanabe S, Sasaki T, Shimizu T. Docosahexaenoic acid preserves visual function by maintaining correct disc morphology in retinal photoreceptor cells. J Biol Chem. 2017 Jul 21;292(29):12054-12064. doi: 10.1074/jbc.M117.790568. Epub 2017 Jun 3. PMID: 28578316; PMCID: PMC5519357.
  12. Roberts JE, Dennison J. The Photobiology of Lutein and Zeaxanthin in the Eye. J Ophthalmol. 2015;2015:687173. doi: 10.1155/2015/687173. Epub 2015 Dec 20. PMID: 26798505; PMCID: PMC4698938.
  13. Lashay A, Sadough G, Ashrafi E, Lashay M, Movassat M, Akhondzadeh S. Short-term Outcomes of Saffron Supplementation in Patients with Age-related Macular Degeneration: A Double-blind, Placebo-controlled, Randomized Trial. Med Hypothesis Discov Innov Ophthalmol. 2016 Spring;5(1):32-38. PMID: 28289690; PMCID: PMC5342880.

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